Mai 2014: Antwort von Markus Reiter

Geschrieben von Anja Hoffmann. Veröffentlicht in Damen in Herrenmannschaften

Hallo Frau Hoffmann,

vielen Dank für Ihre Zeilen und für Ihre Glückwünsche!

Ich habe mir über Ihr Schreiben einige Gedanken gemacht.

Zunächst möchte ich ein paar Aspekte zur allgemeinen Situation klarstellen, damit die Chance besteht, dass meine Aussagen auch nachvollzogen werden können.

 

Ich gehöre dem HTTV-Vorstand als Ressortleiter Lehrwesen an. In dieser Position gehöre ich nicht dem Spielausschuss an, der hier über den Antrag des RTK befinden muss. Ich schreibe daher auch erst nach deren Sitzung am 22.05. und kenne die Entscheidung des Ausschusses nicht.

Meiner Meinung nach stellt dieses Projekt einen massiven Eingriff in die Wettspielordnung mit weitreichenden Konsequenzen dar.

Einen Aufstieg zur Probe, als Pilotprojekt, kann ich mir nur schwer vorstellen. Was soll in dem Fall passieren, dass zunächst aufgestiegen wurde, dann aber ein Jahr später, das Projekt beendet wird? Gibt es dann einen Zwangsabstieg oder einen vermehrten Abstieg? Davon sind dann wieder mehrere andere Vereine und Mannschaften massiv betroffen.

Oder soll dann die auf Probe erteilte Spielberechtigung wieder zurückgezogen werden? In dem Fall hätten wir den Vorgang nur um ein Jahr verschoben. Macht das Sinn?

Bei all diesen Überlegungen steht es außer Zweifel, dass Sie mit ihrer Leistungsfähigkeit, repräsentiert durch den TTR-Wert von 1517, in der Bezirksklasse Herren spielen können. Dieser Aspekt würde aber bei mir, wenn ich entscheiden müsste, bei einer Entscheidung über den Antrag keine Rolle spielen. Hier wäre zunächst und grundsätzlich zu klären, ob gemischte Mannschaften im Erwachsenenbereich auf der Bezirksebene zugelassen werden sollen und können oder nicht. Wenn, dann aber hessenweit. Um diesen Aspekt angemessen würdigen zu können, sollte m.E. berücksichtig werden, dass wir im HTTV die Satzung und Ordnungen für aktuell etwa 60.000 aktive Spieler/innen entwickelt haben. Darunter sind laut Click TT / mytischtennis 5092 Frauen, Mädchen und Schülerinnen registiert, die eine Spielberechtigung haben, um regelmäßig an Wettkämpfen in der Punktrunde und bei Einzelwettkämpfen teilnehmen zu können. Die von Ihnen angestrebte Regelung betrifft im besten Fall entsprechend des Wortlautes des eingereichten Antrages 10 Frauen hessenweit. Dieser Anteil reprästiert 2 von 1000 Frauen. Ich denke, es ist leicht nachvollziehbar, dass es nicht leicht erklärbar ist, warum grundsätzliche Regelungen für diesen Mitgliederanteil massiv verändert werden sollen. Warum? Dann folgen die nächsten Einzelwünsche auf Änderung der WSO oder anderer Ordnungen bis am Ende vom Tag jeder seine eigene einzelen Spezialregelung hat. Dies sollten und müssen die Entscheider und Gremien an sich verhindern, sonst ist ein geordneter Spielbetrieb bald nicht mehr aufrecht zu erhalten.

Aus den genannten Gründen wäre ich, wenn man mich nach meiner Meinung fragen würde, ganz klar gegen die Zustimmung zu diesem Antrag. Dabei spielt es auch keinen Rolle, dass Sie mich öffentlich in verschiedenen Foren und beim VDTT persönlich angegriffen haben.

Sportpolitisch fehlender Weitblick hat seinerzeit bei der Legalisierung von gemischten Teams im hessischen Tischtennis auf unterer Ebene dazu geführt, dass wir binnen weniger Jahre über 50% aller Frauen- und Mädchenmannschaften verloren haben, mit den bekannten gravierenden Auswirkungen auf den Mannschafts- und Ligenspielbetrieb. Parallel dazu ging die Bereitschaft in den Vereinen signifikant zurück, sich um die Gewinnung von neuen Mädchen und Schülerinnen zu kümmern. Es war halt viel einfacher ohne. Die Konsequenz aktuell ist, dass wir allein in den letzten 4 Jahren weitere rund 50% der weiblichen Jugendmannschaften verloren haben. Das sind die, die in wenigen Jahren die Damenteams auffüllen sollten.

Isolierte Einzelfalllösungen sind also keine Lösung für das Große und Ganze, um das sich die Verbands-, Bezirks- und Kreisvorstände zu kümmern haben.

Jetzt werden Sie vermutlich nicht besonders zufrieden mit meiner Einschätzung sein, zumal Sie mir zu Beginn zu meiner Ehrung des DOSB in Sachen "Gleichstellung" gratuliert haben. Sich um Gleichstellung zu bemühen, ist aber nicht gleichbedeutend mit "Jedem Minderheitenwunsch hat entsprochen zu werden, nur weil es sich um den Wunsch einer Minderheit handelt."

Mein Verständnis von Gleichstellung ist, dass wir daran arbeiten müssen, dass sich die grundlegende Einstellung zum Mädchen- und Frauensport verbessern muss. Gleiche Chancen (=die Chance in einer Mannschaft zu spielen, die Chance in einer Damenliga zu spielen, die Chance Einzelwettkämpfe zu spielen - und nicht diese Mangels Masse gleich komplett zu streichen, wie das auf Kreisebene tatsächlich schon bei der einen oder anderen KEM der Damen passiert ist), fairer Umgang, miteinander arbeiten.

Stichwort "alltäglicher Chauvinismus".

Weiterhin sollten wir uns gemeinsam bemühen, dass mehr Frauen in den Vorständen und Gremien ihren Platz finden, um aktiv unseren Verband und unsere Vereine zu entwickeln sowie ihre Interessen selbst vertreten zu können.

Stichwort "Frauenquote in der Führung".

Damit diese Anliegen mehr Gewicht bekommen können, ist meiner Meinung nach sehr intensiv über hessenweite geeignete Maßnahmen nachzudenken, wie der Mitgliederanteil an Mädchen und Frauen - unter 20 % bundesweit!!! - signifikant erhöht werden kann.

Stichwort "Mitgliedergewinnung".

Anschließend kann dann auch der Spielbetrieb wieder einfacher angenehm gestaltet werden. Regionale Einteilungen, kurze Wege, angemessene Spielniveaus in den Ligen, etc..

Ohne diese drei Aspekte wird es sehr schwer bleiben, einen angemessenen Ausgleich der Interessen und Wünsche zu erreichen.

Was können wir bzw. was können Sie jetzt tun, damit sich etwas vielleicht auch in Ihrem Sinn verändert?

Mein Vorschlag ist:

Wir suchen immer engagierte kreative freie Geister, ganz besonders Frauen, die in unsere Gremien frischen Wind und neue Ideen einbringen. In der Gremienarbeit werden dann mehrheitsfähige Anträge vorbereitet, diskutiert und formuliert, die aktuellen Erfordernissen und Anpassungen unserer Ordnungen Rechnung tragen. Wir, die Mitglieder der Frauensport AG, würden uns jedenfalls auf Ihre Mitarbeit sehr freuen.

Viele Grüße,

Markus Reiter

 

Hallenzeiten

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