Januar 2015 - Beiratsbeschlüsse und ihre negativen Folgen

Geschrieben von Klaus Weiler. Veröffentlicht in Damen in Herrenmannschaften

Leserbrief für den Plopp:

Beiratsbeschlüsse zum Damensport und ihre negativen Auswirkungen

Dieses Thema ist vermutlich im Tischtennissport nicht „massentauglich“. Es gibt immer weniger Vereine mit einer funktionierenden Damenabteilung. Für diese Vereine ist das Thema genauso uninteressant wie für die Vereine, die überhaupt keine aktiven Damen haben. Es gibt aber halt auch Vereine, bei denen Damen aktiv sind und, aus welchen Gründen auch immer, keine Damenmannschaft stellen können.

Wir hatten als kleiner Verein in dem Flächenkreis Rheingau-Taunus letztes Jahr drei Damen auf dem MMB stehen, wovon eine in der Herrenkreisliga erfolgreich im ersten Paarkreuz spielt. Eine weitere Dame geht im vorderen Paarkreuz der 1. Kreisklasse an den Start, eine dritte war als Ergänzungsspielerin in der 5. Herrenmannschaft gemeldet ( 5.12 ).

Zur neuen Runde kehrte dann eine Spielerin zurück, die vorher mangels Möglichkeit in unserem Verein zwei Jahre für den TTC Biebrich in einer Mädchenmannschaft aktiv war.Der zeitliche Aufwand für den Sport und die Schule war nicht mehr unter einen Hut zu bringen und sie kehrte deshalb zu ihrem Heimatverein zurück, in dem neben ihrem Bruder auch noch ihre Mutter aktvi ist. . Wir hatten jetzt die Situation, dass wir nach Willen des Verbandes eine Damenmannschaft hätten melden müssen.

In unserem Kreis gibt es keine Damenmannschaften auf Kreisebene, also haben sich VIER Kreise zusammen geschlossen, um eine Kreisklasse mit SECHS Mannschaften zusammen zu bekommen! Für unsere Mannschaft hätte das bedeutet, dass die kürzeste EINFACHE Fahrtstrecke 55 Kilometer betragen hätte, die weiteste EINFACHE Fahrtstrecke knapp 100 Kilometer. Und das bei Spielzeiten an Wochentagen, teilweise ab 20:15 Uhr. Hält das wirklich jemand für zumutbar?

Mindestens zwei unserer Spielerinnen wären mit ihren TTR-Werten von ca. 1540 bzw. 1400 Punkten in dieser Klasse mit durchschnittlichen TTR-Werten im vorderen Bereich von knapp 1250 gnadenlos unterfordert gewesen.

So ist es nicht verwunderlich, dass unsere „Mädels“, Ü 40 und berufstätige Mütter, unter diesen Umständen auf keinen Fall aus ihren angestammten Herrenmannschaften in eine Damenmannschaft wechseln wollten. Unsere Ergänzungsspielerin aus der 5. Mannschaft hat sich mittlerweile sowohl vom Spielbetrieb als auch aus dem Verein abgemeldet und wird sich einen anderen Sport suchen, da ja keine vier Damen auf dem MMB stehen dürfen und sie außerdem auf Grund beruflicher Gründe nicht regelmäßig spielen will und kann.

Seit letzter Saison erlaubt der HTTV nun Damen, die in reinen Damenmannschaften bis hin zur Hessenliga spielen, den Einsatz als Damenersatz in bezirksgebundenen Herrenteams, mögliche Wettbewerbsverzerrung inklusive, da diese Damen in entscheidenden Spielen um Meisterschaft oder Klassenerhalt eingesetzt werden können und mit ihrer Spielstärke durchaus über Meisterschaft oder Klassenerhalt entscheiden können. Dagegen wird es den spielstarken Damen, die auf Kreisebene in Herrenmannschaften spielen, seit Jahren weiterhin verwehrt, auf Bezirksebene eingesetzt zu werden.Es ist einfach nicht einzusehen, dass Damen mit vielleicht 1700 TTR Punkten als DES in der Bezirksklasse, oder sogar niedriger, wenn der Verein nur Herrenmannschaften auf Kreisebene hat, eingesetzt werden dürfen, solche mit 1500 TTR- Punkten, die in der Herrenklasse erspielt wurden und ganz normal im MMB eingereiht sind, nicht.

Seit Jahren verzichtet die dritte Mannschaft des TuS Breithardt, ebenfalls aus dem Rheingau- Taunus-Kreis, als Meister der Kreisliga auf den Aufstieg in die Bezirksklasse, weil man dort auf die Leistungsträgerin Melanie Hanold verzichten müsste. Andere gleichgelagerte Fälle in anderen Kreisen sind ebenfalls bekannt. Das kann nicht im Sinne eines sportlichen Wettkampfs sein.

Sportvereine sind in erster Linie soziale Gefüge. Will man die Damen dazu zwingen, ihren angestammten Verein, in dem teilweise auch noch die eigenen Kinder spielen, zu verlassen, nur um in einer Damenmannschaft zu spielen?

Wenn man dann noch weiß, dass verschiedenen Funktionären sogar die Spielmöglichkeit von Damen in Herrenmannschaften auf Kreisebene ein Dorn im Auge ist , kann man eigentlich nur noch den Kopf schütteln. Nimmt man den Damen auch noch diese Möglichkeit, werden sie den Schläger eher komplett an den Nagel hängen, als in einen anderen Verein zu wechseln. So, wie jetzt in unserem Verein geschehen!

Man kann nur an die Verantwortlichen appellieren, sich mit diesem Thema sachlich zu befassen und es nicht als Einzelschicksal abzutun, um das man sich nicht kümmern kann. Es gibt außerhalb der Ballungsräume einfach Gegebenheiten, die man berücksichtigen sollte wie eben weite Fahrtstrecken und dünn gesäte Möglichkeiten für reine Damenklassen.

Förderung des Damensports kann nicht nur daraus bestehen, auf Teufel komm raus die Frauen in Damenmannschaften pressen zu wollen. Man sollte ihnen einfach die Möglichkeit geben, ihrer Stärke entsprechend ihrem Sport nachzugehen. Das Argument, dass bei einer Freigabe massenweise Spielerinnen in die Herrenmannschaften abwandern würden, ist nicht nachvollziehbar. Das ist auch in anderen Verbänden, in denen Damen bis zur Bezirksebene in Herrenmannschaften spielen dürfen, nicht passiert.

Es bleibt für die betroffenen Vereine zu hoffen, dass ihre wenigen Damen in Zukunft ihrer Leistungsstärke entsprechend spielen dürfen. Änderungen der derzeitigen Regelungen gegen den Willen der Verbandsspitze sind auf Grund der dort herrschenden Stimmenverteilung kaum möglich. Leider sind bisher alle entsprechenden Anträge, auch z.B. als Pilotprojekt, auf den Beiratssitzungen vor allem mit der Mehrheit der Verbandsstimmen abgelehnt worden .

Ps: In der Kreisliga Rheingau-Taunus stehen zur Zeit mit den dritten Mannschaften des TuS Breithardt und des TTC Lorchhausen zwei Mannschaften auf den beiden ersten Tabellenplätzen, die in ihrer jetzigen Aufstellung nicht aufstiegsberechtigt sind. Es sei denn, sie lassen ihre Damen in der nächstniedrigeren Mannschaft, in den genannten Fällen dann in der 1. Kreisklasse zurück. Das würde bedeuten, die Damen führen ihre Mannschaften zum Aufstieg, müssen aber selbst absteigen.

Klaus Weiler, TTC Lorchhausen

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Hallenzeiten

Dienstag 19.30-22.00 Uhr Erwachsene (+Hobby)               Samstag 11.00-13.00 Uhr Nachwuchstraining 
Mittwoch 16.00-17.00 Uhr  Leistungsgruppe Nachwuchs   Samstag 13.00-22.00 Uhr Heimspiele
Freitag 16.00-17.30 Uhr Bambinis und Nachwuchs   Sonntag 10.00-22.00 Uhr Heimspiele
Freitag 18.00-22.00 Uhr Erwachsene (+Hobby)